Freitag, 5. Februar 2016

In (Edel)stein gemeißelt

Nun ja, gemeißelt trifft es nicht so ganz. Für die Edelsteinschnitzereien der Kameen benötigte man immer schon ein gutes Auge und ruhige Hände. Als Kamee bezeichnet man eine erhaben gestaltete figürliche Darstellung, die sich von einem andersfarbigen Hintergrund abhebt. Früher wurde dafür vorzugsweise Onyx verwendet. 

Später folgten andere und günstigere Materialien wie Lavastein oder Molluskenschalen bzw. Perlmutt als Hintergrund. Der Rand wurde bei den reichen Leuten nochmals kunstvoll verziert und mit Edelsteinen bestückt. 

Beim Adel war das Porträtieren einer verstorbenen Person gang und gäbe, als Kamee trug man sozusagen die Erinnerung immer bei sich. Aber auch das Bildnis einer Geliebten oder einer hochgestellten Persönlichkeit (Könige und Kaiser) wurden gern als Kamee gestaltet. Später war es einfach nur noch ein romantisches Schmuckstück, das heute gerade wieder eine Renaissance erlebt.

Die Kameenschnitzkunst geht zurück auf das alte Ägypten, wo man gerne heilige Tiere aus Edelstein schnitzte und als Schmuckstein bei sich trug, besonders das Motiv des Skarabäus als Symbol für den Sonnengott. Die alten Römer übernahmen diese Kunst für ihre Mythologie. Kameen tauchten bald überall auf, als Schmuck in Wohnräumen oder Zierrat an anderen Gegenständen. Im Mittelalter sollten sie den „bösen Blick“ abwehren.

Kameen wurden von den Damen getragen, das Gegenstück dazu bildet der Siegelring für den Herrn. Noch heute ist auch dieser ein elegantes Schmuckstück, repräsentiert aber nicht mehr nur Adels- oder Familienwappen. Hier werden oft Buchstaben symbolisch für den Namen des Trägers oder machtvolle Bildmotive (Adler, Löwenköpfe etc.) eingraviert.  



Freitag, 15. Januar 2016

Die Magie von Licht und Schatten

Hedy Lamarr, Schauspielerin
Fotografie ist eine Kunst. Ihre Magie liegt im Auge des Fotografen, dem richtigen Gefühl für Perspektive und heute auch - in den künstlerischen Händen, die ein Bildbearbeitungsprogramm bedienen. Mit einem einzigen Klick lassen sich jetzt kleine Fehler und ganze Flächen retuschieren. Sogar Fotomanipulationen sind möglich.

Vor einigen Jahrzehnten war diese Kunst noch mit sehr viel mehr "menschlichem" Einsatz verbunden.

Die einzigen Dinge, die zur Verfügung standen, waren primitive Kameras, Licht und Schatten und das Auge hinter der Kamera, welches beides miteinander zu kombinieren wagte. Es entstanden zauberhafte Portraits, nicht nur von den Filmstars unserer Großeltern. Im Einsatz weniger Dinge lag der Zauber echter Fotokunst.

Die Handhabung der lichtempfindlichen Fotoplatten und das Auftragen der Kollodiumlösung war eine andere Sache. Hier war Timing gefragt. Nach der Aufnahme musste die lichtempfindliche Platte so rasch wie möglich in die Dunkelkammer.

Die Entwicklung heute ist ein Klacks gegenüber der oft gefährlichen Arbeit mit toxischen und brennbaren Materialien in der Dunkelkammer! Das zumindest ist ein Segen!

Ein weiterer Segen ist, dass der Brauch der Totenfotografie (Post-Mortem Fotografie) nicht mehr gepflegt wird - eine Tätigkeit, die heute außer Polizeifotografen wohl kaum noch jemand machen würde!

Nachkoloriertes foto
Später wurde die Schwarzweißfotografie durch das Einfärben per Hand aufgehübscht - nun ja, man bediente sich dabei vorzugsweise der wenigen Grundfarben, das musste genügen. Das Einfärben war ebenfalls eine Kunst für sich, die ein gutes Auge, eine ruhige Hand und oftmals ein Vergrößerungsglas voraussetzte. Vor allem für den Verkauf von Postkarten wurden die Bilder gerne eingefärbt.

Was auf Fotos noch relativ freundlich aussah, wirkte bei der Nachkolorierung ganzer Filme eher lächerlich, da diese noch durch die Licht-/Schattenwirkung der Stummfilmzeit lebten und so effektvoll wie möglich abgedreht wurden. Das Einfärben jedes Einzelbildes war eine Heidenarbeit bis die Technik auch hier Fortschritte machte.

Wenn wir uns heute die alten Portraitfotos der früheren Stars betrachten, liegt ihnen eine ganz besondere Faszination zugrunde, welche ein digitales Bild so gut wie nie erreichen kann. Es ist der wahre Zauber, die Magie, die nur begnadete Fotografen in ihren Augen haben.

(Fotos: Pixabay)

Sonntag, 3. Januar 2016

Als die Musik ihre Unschuld verlor

Alte Jukebox im Diner (Pixabay)
Seit fast 30 Jahren war ich im Musikgeschäft tätig, habe bei diversen Labels in verschiedenen Abteilungen gelernt und gearbeitet, bevor ich einen eigenen Verlag gründete.
Von der Künstlerpromotion über Lizenzrechte bis hin zur Tourplanung war alles dabei. Ich begann bei der Rockmusik, erlebte die ersten Dance-Importe und überlebte den Techno-Hype.

Aber eigentlich begann alles viel früher. Bevor ich beim Dance-Kultlabel BCM Records begann, war ich u.a. für diverse Rockverbände tätig, managte Bands, schrieb Kolumnen in den Vereinsmagazinen, organisierte Videodrehs und vieles mehr. Den Musikvideos, die in den 80er- und 90er-Jahren ihren Boom feierten, gingen die Plattencover voraus, auf denen der Künstler bzw. der Inhalt des zu verkaufenden Songs präsentiert wurde. Sie waren schrill und bunt in den Sechzigern und Siebzigern, die typischen Ableger der Hippiekultur, das genaue Gegenteil - nämlich meist schwarzweiß und brav bis niedlich - als schlichte Werbecover für die Künstler in den 40er- und 50er Jahren.

Rückblickend kann man die visuellen Vermarktungsstrategien der Label gut vergleichen.

Man passte sich der Zeit an: von konservativ, brav und höflich über psychelisch oder rockig bis hin zu ... ja, was denn eigentlich? Sexy? Die Musikindustrie setzt heute mehr auf Haut als auf Stimme. Früher genügte es, hochgeschlossen. aber dafür mit perfekter Stimmausbildung aufzutreten. Heute reichen knappe Kleidung und laszive Tänze, um einen Song zu verkaufen. Schnelles Geld mit eingängigen Titeln, oft ohne tiefsinnige Texte.

Zugegeben, die Musik ist heute auch vom Sound her lockerer, kritischer und lauter geworden. Dass wir hier in Deutschland so ganz nebenbei noch "amerikanisiert" wurden, ist als ein Nebeneffekt der Nachkriegs- bzw. Besatzungszeit zu werten.
Nichtsdestotrotz, wenn ich einen guten Titel im Radio hören - so ganz ohne visuelle Anreize - dann würde ich ihn ebenso kaufen als wenn ich ihn als Video verpackt serviert bekomme. Vielleicht sogar eher. Ganz einfach, weil er mir gefällt. An den Bausteinen der Musik selbst, also den Akkorden, Harmonien und Tonleitern wird sich niemals etwas ändern.

Musik ist im Grunde Mathematik mit unveränderlichen Elementen. Sie folgt bestimmten Gesetzen. Nur die Formeln werden jedes mal anders berechnet. Das nennt man Arrangement.

Bei der Präsentation, also der Verpackung, ist den Vermarktern jedoch freie Hand gegeben. Das Platten- bzw. CD-Cover als Werbeträger hat jedoch an Bedeutung verloren und das Internet ist zum Meinungsmacher geworden. In einer Zeit des schnellen Konsums wechseln die Stars in den Top 10 fast jede Woche. Trotzdem würde man sich manchmal etwas mehr Stil wünschen, damit nicht alles in unserem Leben zu Fastfood verkommt.

Hin und wieder ist so ein kleiner Lichtblick dabei. Warum eigentlich meist bei den Männern, die wieder gepflegt und im Anzug auftreten? Hochgeschlossene Kleider bei den Damen kommen dagegen wohl weniger an, trotz überzeugender Stimme. Ganz im Gegenteil, die heutigen Videos sind an Freizügigkeit kaum zu überbieten, getreu dem Motto "Sex sells".Viele Tanzeinlagen erinnern heute an heidnische Rituale.

Halten wir fest: Optische Anreize müssen also nach wie vor sein, um bekannt zu werden. Zumindest im Popbereich. Allerdings wird zu viel des Guten bzw. zu wenig Stoff auch schnell langweilig. Schließlich gibt es ja nichts mehr zu entdecken.

Das gilt übrigens nicht für den klassischen Bereich, ebenso wenig für den Schlager und die Volksmusik. Hier herrschen ganz andere Regeln und Umgangsformen. Warum kann man die nicht auch auf die moderne Musik übertragen? Setzt die Popindustrie voraus, dass der potentielle Konsument ihrer Musik ohne visuelle Reize nicht das notwendige Bildungsformat hat, um gute von schlechten Titeln zu unterscheiden?

Es geht letzten Endes immer nur um die Verpackung, das Bonbon im Glitzerpapier wirkt eben immer verlockender als das im matten weißen aber dafür edlen Papier. Mit der Revolution in den 60ern begann also auch das Zeitalter der Emanzipation für die Musikvermarkter, welche die neu gewonnene Freizügigkeit für sich entdeckten und bis heute immer weiter ausbauten.

Wenn die Musik unsere kulturelle Entwicklung spiegelt (und das kann man seit dem Erklingen der ersten Buschtrommel ja wohl behaupten), dann vermerken wir heutzutage eine gewisse Rückentwicklung. Die Schaffung der Kategorie "Popkultur" verrät da doch alles.
(ck)


Dienstag, 29. Dezember 2015

Sylvester & Neujahr = Die Zeit der guten Wünsche

Wie ich schon in meinem Post über die Rauhnächte erwähnte, ist diese Zeit des Jahreswechsels auch die Zeit der Orakel und Hexerei. Und die Zeit, in der man Amulette (gegen Unheil) und Glücksbringer (Talismane) fertigte oder gegenseitig schenkte. Das Bekannteste dürfte wohl das Hufeisen sein. Es wird mit der offenen Seite nach oben über der Türöffnung angebracht, damit das Glück hineinfällt.

In einer Zeit, in der noch mit Pferden und Kutschen gearbeitet wurde, war es tatsächlich ein Glücksfall, ein verlorenes Hufeisen zu finden, denn das Material war wertvoll! Man konnte es wieder verkaufen oder einschmelzen und etwas anderes daraus fertigen lassen.

Die Hasenpfote, die von einem geschlachteten Kaninchen oder Hasen stammte, sollte ebenfalls Glück anziehen und Schnelligkeit und Geschicklichkeit verleihen, wenn es darum ging, dem Glück (meist dem Glück beim Spiel) hinterher zu jagen!

Das echte vierblättrige Kleeblatt in freier Natur zu finden gilt auch heute noch als Glücksfall. Es soll vor allem Geld anziehen. Heute wird der Klee leider entsprechend gezüchtet und es zählt allein noch die Geste des Schenkenden.

Der Glückspfennig - wer kennt ihn nicht? Damals noch eine stabile Währung (stabil im Sinne von goldgedeckter Währung). Wer einen solchen fand, der sollte den Pfennig nicht ausgeben und immer in seiner Geldbörse tragen, damit er noch mehr Münzen anlocken würde.

Der Marienkäfer - Symbol der Muttergottes für Schutz - durfte nicht getötet werden, sonst würde man ein Unglück anziehen. Besonders, wenn er einem Kind zu flog, galt dieses als behütet und gesegnet.

Das Glücksschwein geht zurück auf den germanischen Glauben, in dem der Eber ein heiliges Tier war. Bis zum Mittelalter galt der Besitz eines eigenen Schweines als Wohlstand. Ein Ferkel wurde früher übrigens auch oft zu Hochzeiten verschenkt.

Den Schornsteinfeger bzw. dessen Jacke zu berühren soll Glück bringen. Tatsächlich war dieser früher so eine Art Lebensretter, denn seine Tätigkeit bewahrte das Heim vor Bränden und verstopften Kaminen.

Viele Talismane, die aus der Natur entnommen wurden und von einer Hexe (weisen Frau) hergestellt wurden, mussten zusätzlich noch geweiht werden. Dies geschah in einem kleinen Ritual. Man konnte sie je nach Wunsch herstellen lassen. Das Gleiche galt auch für Amulette (Schutzzauber). Diese beiden Gegenstände sind so alt wie die Menschheit selbst und entstanden lange vor allen Religionen und in allen Ländern dieser Erde.

Meinen Lesern wünsche ich ein glückliches Neues Jahr! 

Heute sind noch Reste dieser alten Bräuche zu finden - meist in der Esoterikecke. Aber in meinen Augen zählt allein der gute Wunsch, jemandem zu Sylvester oder am Neujahrsmorgen ein "Frohes Neues Jahr" zu zurufen. Möge auch 2016 eines davon werden.




Freitag, 25. Dezember 2015

Die Geheimnisse des Boudoirs

Früher besaß jede Dame von Rang und Namen dieses sogenannte "Ankleidezimmer". Hierhin zog sie sich zurück, wenn sie einmal ohne Herrenbegleitung sein wollte und manchmal durfte nicht einmal ihre Zofe es betreten. Den Zutritt gestatte nur sie - das war oft das einzige Privileg, welches Damen besaßen, galten sie früher doch oft als "Schmuck" ihres Mannes und durften nur reden, wenn das Wort an sie gerichtet wurde.

Übersetzen könnte man den französischen Begriff als "Schmollecke" - war die Dame unpässlich oder schlecht gelaunt oder hatte Migräne, so zog sie sich hierhin zurück. Aber auch manche "blaue Stunde" (die Zeit zwischen Dämmerung und nächtlicher Dunkelheit) wurde hier träumend verbracht. Hier machte die Dame sich bereit für die Nacht und schön für ihren Ehemann oder Liebhaber.

Was gehörte nun in ein sogenanntes Boudoir?

Foto: Pixabay
Dieser Raum war ganz der Schönheit gewidmet und so durfte ein Schminkplatz natürlich nicht fehlen - ein kleines Tischchen mit großem Spiegel dahinter beherbergte alle Utensilien für die Schönheit. Dazu gehörten Tiegel mit Cremes und Puder. Die Puderquaste bestand noch aus echten Schwanendaunen! Das Schmuckkästchen war stets griffbereit, ebenso wie die edlen kleinen Kristallflakons mit Parfüms.

Das zweitwichtigste Möbelstück war der Sekretär - ein kleiner Schreibtisch, oft mit Geheimfächern - an welchem die Dame ihre Korrespondenz erledigte, die höchstens ihre verschwiegene Zofe zu Gesicht bekam! Hier wurden poetische Liebesbriefe geschrieben oder insgeheim Kontakt zu verstoßenen Verwandten oder Freunden gehalten. Der Sekretär beinhaltete Feder, Tintenfaß, eine Petschaft und oft handgeschöpftes Briefpapier mit dem Wappen oder Emblem des Hauses. Hier orderte die Dame die Dinge, die ihr persönlich am Herzen lagen, und verwaltete ihr Haushaltsgeld.

Ein Liegeplatz - oft eine Chaiselongue - auf der die Dame ungezwungen ruhen konnte (ohne das störende Korsett). Dieser Platz diente zum Entspannen, zum Lesen (manchmal frivoler Lektüre oder der Briefe von Verehrern).

Ein kleiner Beistelltisch oder Teewagen befand sich oft an dessen Seite. Hier nahm die Dame des Hauses ihren Tee, Kaffee, Likör, aber auch ihre vom Arzt verordneten Medikamente ein. Einige Naschereien wie Pralinen und Backwerk versüßten die stillen Stunden der Zurückgezogenheit.

Ein oder zwei Sessel standen meist bereit für eventuellen Besuch von Freundinnen oder Verwandten. Im Boudoir wurden so manche Ränke und Intrigen aber auch Heiratspläne geschmiedet!

Der Kleiderschrank durfte natürlich nicht fehlen. In dessen Schubladen und Geheimfächern fand sich die reizvolle Unterwäsche, die so mancher Gemahl gar nicht erst zu Gesicht bekam!

Natürlich bieten heute die wenigsten Wohnungen die Möglichkeit, ein solches Ankleidezimmer einzurichten, aber es bleibt bestimmt der Traum einer jeden Frau :-).


Samstag, 19. Dezember 2015

Die Legende der Rauhnächte

Foto: Pixabay
Bald ist es wieder soweit: Die Zeit der Rauhnächte beginnt!

Heute sind sie fast vergessen und damit auch alles, was man mit diesem ursprünglich heidnisch-germanischen Mythos verband. Die meisten älteren Leute kennen sie noch als die entfesselte Zeit der sogenannten "Wilden Jagd" unter der Führung von Odin und Frau Holle (ja, der aus dem Märchen - es scheint also eine engere Verbindung zwischen Märchen und Aberglauben zu geben, als man heute noch nachweisen kann).

Um die Jagdmeute gnädig zu stimmen, brachte man allerlei Opfergaben dar: Reste des Weihnachtsmahls, Brot, Kuchen, Gebäck, Fleisch oder Hülsenfrüchte. Man legte diese Gaben entweder vor die Türe oder verteilte sie unter den Obstbäumen im Garten. Die Begleiter Odins sind ja Raben und ich nehme an, dass sich diese an diesen Gaben gütlich taten :-)

In dieser Zeit ist die Grenze zwischen dem Dies- und Jenseits sehr dünn, ähnlich wie zu Allerheiligen. Es gab auch einige Regeln für diese Tage, die man besser befolgte: Wer zu dieser Zeit weiße Wäsche nach draußen hing, konnte schnell einem Fluch zum Opfer fallen. Man sagte, der Besitzer der Wäsche gehört dann Odin und muss die Wilde Jagd begleiten bis er durch ein anderes Opfer erlöst wird.

Es war die Zeit, in der man Geliehenes zurückgab, Schulden beglich und Haus und Hof in Ordnung brachte. Aber es war auch die Zeit der Wechselbälger, der Orakel und Hexerei Um Schadzauber abzuwehren, wurden Haushalt und Ställe mit Kräuterbündeln ausgeräuchert. Die Wichtigsten darunter waren:

Lorbeer
Weihrauch
Salbei
Thymian
Wacholder
Kampfer

Viele davon haben übrigens medizinische und desinfizierende Eigenschaften!

Die wichtigsten 4 Rauhnächte:

21./ 22. Dezember (Thomasnacht – die Wintersonnenwende, längste Nacht des Jahres)
24./ 25. Dezember (Heiliger Abend – Christnacht)
31. Dezember/ 1. Januar (Silvester)
5./ 6. Januar (Vigil von Epiphanie – Erscheinung des Herrn)


Auch wenn das Wetter dieses Jahr nicht besonders rau und winterlich erscheint, vielleicht sollte man den ein oder anderen Brauch trotzdem beherzigen und bis zum Jahresende Ordnung schaffen und alte Schulden begleichen.



Sonntag, 13. Dezember 2015

Die eleganteste Geheimsprache der Welt

Foto: Pixabay
Die wahre Kunst des Flirtens lag in der Vergangenheit in der Deutung der Fächersprache. Jede Dame, die etwas auf sich hielt, besaß einen solchen aus mehr oder weniger teurem Material. Beim Adel waren die Fächerstäbe meist aus Elfenbein oder Schildpatt, die weniger Wohlhabenden mussten sich mit Fischbein (Walknochen) begnügen, aus dem auch die Korsettstäbe der damaligen Zeit gefertigt wurde.

Als Bezugsstoffe waren Seide, Spitze oder Brokat die erste Wahl. Der äußere Rand wurde oft noch zusätzlich mit Spitze verfeinert, die damals auch noch in Handarbeit entstand. Teure Stickereien oder Malereien (ebenfalls in Handarbeit) konnten sich nur die Wenigsten leisten. Fein geschnitztes und bemaltes Holz (meist leichtes Bambus) wurde im Alltag benutzt. Papierbespannungen eigneten sich perfekt für die Übermittlung von geheimen Nachrichten an den Liebsten.

Ähnlich wie Matrosen sich auf hoher See Signale mit Flaggen gaben,  sandten die Damen der feinen Gesellschaft ihre Flirtsignale aus. Einige davon waren:

Linke Hand vor das Gesicht halten – Ich sehne mich nach Gesellschaft...
Rechte Hand vor das Gesicht halten – Folgen Sie mir!
Offen in der linken Hand halten – Kommen Sie und unterhalten Sie sich mit mir!
In der rechten Hand tragen – Sie sind zu willig!
In der linken Hand drehen – Ich möchte Sie los sein!
Mit der rechten Hand flattern lassen – Ich liebe einen anderen!
Finger am äußeren Rand – Ich möchte Sie sprechen!
Mit abgespreiztem kleinen Finger halten – Auf Wiedersehen!
Über die Stirn ziehen – Wir werden beobachtet!
Über die Wange ziehen – Ich liebe Sie!
Durch die Hand ziehen – Ich hasse Sie!
Über die Augen ziehen – Es tut mir Leid! Verzeihen Sie mir!
Hinter den Kopf haltend – Vergessen Sie mich nicht!
Auf der rechten Wange ruhen lassen – Ja.
Auf der linken Wange ruhen lassen – Nein.
Auf dem linken Ohr platzieren – Sie haben sich verändert!
Auf den Lippen den Stiel platzieren oder doppelt durch die Hand ziehen – Küssen Sie mich!
Langsam fächeln – Ich bin verheiratet.
Schnell fächeln – Ich bin verlobt.
Geschlossen präsentierend – Lieben Sie mich?
Fallen lassen oder hängen lassen – Lassen Sie uns Freunde sein!
Ihn schließen – Ich möchte mit Ihnen sprechen!
Ihn schnell öffnen und schließen – Sie sind grausam!
Ihn weit öffnen – Warten Sie auf mich!
Eine bestimmte Anzahl der Stäbe zeigen – Angabe der Uhrzeit für die Verabredung

Da bleibt nur zu hoffen, dass die Kavaliere auch alles richtig verstanden haben! Adelige und wohlhabende Kaufleute schickten ihre Töchter in sogenannte "Akademien", wo sie die Kunst der Fächersprache gemeinsam mit den angesagten Tänzen und den Tischsitten erlernten.

Die Söhne wurden natürlich ebenfalls darin unterrichtet - allerdings getrennt. Erst auf Gesellschaften und unter strenger Aufsicht durften die jungen Damen und Herren dann zusammenkommen und das erste Mal gemeinsam tanzen.

Die Fächer begleiteten Damen im Alltag, auf Reisen oder Spaziergängen ebenso wie auf den Bällen. Je nach Bedarf wurde das teuerste Stück gewählt, um Gäste oder Verehrer zu beeindrucken.

Heute ist der Bedarf an Fächern auf die heißen Sommermonate beschränkt, um sich Luft zu zu fächeln (diesen Zweck erfüllte er natürlich damals auch). Das Material ist oft nur billiges Plastik.

Die Sprache der Fächer ging leider komplett verloren und wird auch nicht mehr praktiziert. Daher findet man nur noch wenige Bücher darüber, wie z.B. dieses hier von Philipp Messmer bei Amazon: